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Hochzeitsfibel · Kapitel 1

Hochzeitstrends 2027: Was kommt, was bleibt

Jedes Jahr im Herbst beginnen die Verlobungen, und jedes Frühjahr sitze ich mit Paaren zusammen, die dieselbe Frage mitbringen: Was macht man denn 2027 so? Hier ist meine Antwort — nicht aus einem Pinterest-Algorithmus, sondern aus den Gesprächen, Anfragen und Hochzeiten, die ich als Fotograf gerade erlebe. Und mit einer ehrlichen Einordnung, was davon bleiben wird und was nur Lärm ist.

Dokumentarisch schlägt gestellt

Der stärkste Trend ist keiner, der wieder verschwindet: Paare wollen Bilder von dem, was wirklich passiert ist. Die Posing-Liste mit vierzig Pflichtmotiven stirbt aus, stattdessen wächst der Wunsch nach einem Fotografen, der den Tag begleitet wie ein Gast mit Kamera. Für euch heißt das bei der Planung: weniger Fototermine in den Ablauf pressen, mehr Raum lassen, in dem etwas passieren darf.

Blitz, Bewegung, Unschärfe

Die perfekt ausgeleuchtete, gestochen scharfe Hochzeit bekommt Konkurrenz: direkter Blitz auf der Tanzfläche, Bewegungsunschärfe, Bilder, die aussehen, als wäre man mittendrin gewesen — weil man es war. Was vor ein paar Jahren als Fehler gegolten hätte, ist heute die Ästhetik, die sich nach Party anfühlt statt nach Katalog. Ich mag diesen Trend, weil er Energie einfängt, die ein sauberes Bild glattbügelt.

Schwarz-Weiß ist zurück — und bleibt

Immer mehr Paare wünschen sich einen großen Schwarz-Weiß-Anteil in der Galerie, manche fragen nach kompletten Strecken ohne Farbe. Der Grund ist einfach: Ohne Farbe geht der Blick direkt auf Gesichter, Hände, Umarmungen. Schwarz-Weiß ist kein Trend im eigentlichen Sinn — es ist die älteste Sprache der Fotografie, die gerade wiederentdeckt wird.

Film-Look und Einwegkameras

Körnung, weiche Farben, der Look analoger Filme — digital fotografiert, aber mit dem Charakter von früher. Dazu liegen auf immer mehr Gästetischen Einwegkameras oder eine Point-and-Shoot fürs Herumreichen. Meine Einordnung: als Ergänzung wunderbar, als Ersatz riskant. Die Gästekamera liefert Überraschungen, der Fotograf liefert den Tag.

Kleiner feiern, länger feiern

Statt 150 Gästen an einem Nachmittag sehe ich häufiger 60 Gäste und dafür ein ganzes Wochenende: Welcome-Abend, Hochzeitstag, gemeinsames Frühstück danach. Wer weniger Menschen einlädt, kauft sich Zeit mit jedem Einzelnen — und für die Bilder ist das ein Geschenk, weil Nähe fotografierbar ist und Hektik nicht.

Unplugged bleibt

Die Bitte an die Gäste, während der Trauung die Handys wegzulassen, ist gekommen, um zu bleiben — und ich kann sie nur unterschreiben. Der erste Kuss hinter zwölf gereckten Displays ist ein Bild, das niemand haben will. Danach dürfen alle wieder, und die besten Gästefotos entstehen sowieso auf der Tanzfläche.

Content Creator neben dem Fotografen

Der lauteste neue Trend: eine zweite Person, die den Tag fürs Handy filmt — Stories, Reels, am nächsten Morgen alles online. Meine ehrliche Meinung: Klärt vorher, wer an welchen Momenten Vorrang hat. Ein Creator, der bei der Trauung im Gang steht, steht in jedem Bild. Gut abgesprochen können beide nebeneinander arbeiten; unabgesprochen kostet es die Momente, für die ihr den Fotografen bezahlt.

Fragen, die mir Paare zu 2027 stellen

Müssen wir Hochzeitstrends mitmachen?

Nein. Der einzige Trend, der auf euren Bildern in zwanzig Jahren noch funktioniert, seid ihr selbst. Nehmt aus Trends, was sich nach euch anfühlt, und lasst den Rest liegen — eine Hochzeit ist kein Moodboard-Wettbewerb.

Was ist mit KI in der Hochzeitsfotografie?

KI hilft mir bei der Vorauswahl und bei Retusche-Handwerk, aber kein Bild wird künstlich erzeugt oder ersetzt. Was auf euren Bildern zu sehen ist, ist an eurem Tag passiert — alles andere wäre Etikettenschwindel und wird bei mir gekennzeichnet.

Wie früh sollten wir für 2027 buchen?

Die beliebten Samstage von Mai bis September 2027 werden erfahrungsgemäß 12 bis 18 Monate vorher vergeben. Wer nach der Verlobung im Winter anfragt, hat meist noch gute Auswahl — im Frühjahr 2027 wird es für denselben Sommer eng.

Passen Trends überhaupt zu dokumentarischer Fotografie?

Die meisten aktuellen Trends sind dokumentarisch: echte Momente, Bewegung, Schwarz-Weiß, weniger Posing. Genau deshalb halte ich sie für langlebig — sie machen die Bilder ehrlicher, nicht modischer.

Jon Pride, Hochzeitsfotograf
Jon Pride
Hochzeitsfotograf, Lüneburger Heide & Hamburg

Fotografiert seit 2009 Hochzeiten, über 370 begleitet in 12 Ländern auf 4 Kontinenten. 8 Fearless Awards und 6 Brautfoto Awards.

Stand: 29. August 2026