Jon Pride Anfragen
Die Hochzeitsfibel · Kapitel 4

Den richtigen Hochzeitsfotografen finden

Fragt drei bis fünf Fotografen an, deren Bilder euch hängen geblieben sind, und lasst euch von jedem eine vollständige Hochzeit zeigen — nicht die Highlights, sondern einen ganzen Tag von morgens bis nachts. Danach entscheidet nicht mehr das Portfolio, sondern das Gespräch: Wer mehr über seine Kameras redet als über euren Tag, hat die Frage schon beantwortet. Ich bin Jon Pride, Hochzeitsfotograf aus der Lüneburger Heide, und sitze seit 2009 in diesen Gesprächen — auf beiden Seiten des Tisches, denn abgesagt habe ich auch schon.

Warum ganze Galerien mehr verraten als Portfolios

Jeder Fotograf hat zwölf gute Bilder. Die Frage ist, wie der Nachmittag aussah, an dem nichts Besonderes passierte — die Stunde zwischen Kaffee und Abendessen, in der niemand posiert und trotzdem etwas entsteht.

Bittet deshalb um eine komplette Galerie einer Hochzeit, von der Ankunft am Morgen bis zur Tanzfläche. Achtet darauf, ob die Bildsprache über den ganzen Tag durchhält, ob die Gäste natürlich aussehen und ob es auch dann Bilder gibt, wenn das Licht schlecht war. Genau daran erkennt man Erfahrung, nicht am besten Sonnenuntergangsbild.

Die sechs Fragen fürs Erstgespräch

Nicht, um jemanden zu prüfen — sondern weil die Antworten zeigen, wie jemand arbeitet:

  1. Zeigst du uns eine komplette Hochzeit, nicht nur die Highlights?
  2. Wie sieht dein Tag mit uns aus, von wann bis wann?
  3. Was passiert, wenn du krank wirst?
  4. Wann bekommen wir die Bilder, und wie viele ungefähr?
  5. Was dürfen wir mit den Bildern, was darfst du damit?
  6. Was war die letzte Hochzeit, bei der etwas schiefging?

Die sechste ist die wichtigste. Wer sagt „bei mir geht nie etwas schief", hat entweder wenige Hochzeiten fotografiert oder erzählt nicht die Wahrheit. Bei einer Hochzeit geht immer irgendwas schief — der Ring ist im Auto, die Rede dauert vierzig Minuten länger, es regnet. Interessant ist, was danach passiert ist.

Was in den Vertrag gehört

Datum, Ort, Stundenzahl, Lieferzeit, ungefähre Bildzahl, Reisekosten, Ausfallregelung, Nutzungsrechte. Acht Felder. Fehlt eines davon, fragt danach — nicht wegen des Papiers, sondern weil die Antwort mehr verrät als der Vertrag selbst.

Bei den Nutzungsrechten lohnt genaues Hinsehen: Was dürft ihr mit den Bildern (drucken, verschenken, posten), und was darf der Fotograf (Portfolio, Instagram, Blog)? Beides ist verhandelbar, und beides sollte ausdrücklich dastehen. Wer eure Bilder nicht veröffentlichen darf, muss das vorher wissen — nicht hinterher.

Zur Ausfallregelung: Fragt konkret, wer den Ersatz organisiert. Die richtige Antwort ist nicht „das ist noch nie passiert", sondern ein Name oder ein Netzwerk.

Woran ihr euch nicht orientieren solltet

Am Preis allein. Wie die Spanne in Deutschland wirklich aussieht, steht im Kapitel Was kostet ein Hochzeitsfotograf. Kurz: Der günstigste Anbieter ist selten der teuerste Fehler, aber er ist der wahrscheinlichste.

An der Ausrüstung. Welche Kamera jemand benutzt, sagt so viel über die Bilder wie die Marke des Backofens über den Kuchen.

An der Zahl der Bilder. Achthundert Bilder sind kein Vorteil gegenüber vierhundert, wenn vierhundert davon dasselbe zeigen. Fragt lieber, wie stark vorher aussortiert wird.

Wie früh solltet ihr anfragen?

Für einen Samstag zwischen Mai und September: zwölf bis achtzehn Monate vorher. Das klingt übertrieben und ist es nicht — die gefragten Termine sind zuerst weg, und zwar bei allen gleichzeitig. Wer im Winter nach der Verlobung anfragt, hat meist noch freie Wahl. Wer im Frühjahr für denselben Sommer sucht, wählt aus dem, was übrig ist.

Für Wochentage, Nebensaison und Standesamt gilt das nicht. Da reichen oft wenige Monate.

Häufige Folgefragen

Wie viele Fotografen sollten wir anfragen?

Drei bis fuenf reichen. Wer zwanzig Angebote vergleicht, vergleicht am Ende Preise statt Bilder — und der Preis ist bei einer Hochzeit die schlechteste Entscheidungsgrundlage. Nehmt die drei, deren Bilder euch beim ersten Durchsehen haengen geblieben sind.

Woran erkennen wir ein gutes Portfolio?

Daran, dass es ganze Hochzeiten zeigt und nicht nur die zwoelf besten Bilder aus zwoelf verschiedenen Tagen. Fragt nach einer vollstaendigen Galerie von Anfang bis Ende. Wer nur Highlights zeigt, zeigt nicht, wie der Nachmittag aussah, an dem nichts Besonderes passierte.

Was gehoert unbedingt in den Vertrag?

Datum, Ort, Stundenzahl, Lieferzeit, ungefaehre Bildzahl, Reisekosten, Ausfallregelung und die Nutzungsrechte — also was ihr mit den Bildern duerft und was der Fotograf mit ihnen darf. Fehlt eines dieser Felder, fragt danach; die Antwort verraet mehr als der Vertrag.

Was passiert, wenn der Fotograf krank wird?

Danach solltet ihr fragen, bevor ihr unterschreibt. Bei mir ist die Antwort: Ich habe ein Netz von Kolleginnen und Kollegen, deren Bildsprache zu meiner passt, und im Ernstfall organisiere ich den Ersatz — nicht ihr. Das gehoert in den Vertrag, nicht ins Vertrauen.

Sollen wir nach einem Zweitfotografen fragen?

Fragt, ob einer dabei ist und warum. Beide Antworten koennen richtig sein. Ich arbeite bewusst allein, damit der ganze Tag eine Handschrift hat; wer mit einem Zweiten arbeitet, bekommt mehr Perspektiven zur selben Zeit. Falsch ist nur, es nicht zu wissen.

Wie merken wir, ob die Chemie stimmt?

Telefoniert oder trefft euch, bevor ihr bucht — und achtet darauf, wer redet. Wenn ihr nach einer halben Stunde mehr ueber die Ausruestung wisst als der Fotograf ueber euren Tag, ist das eine Antwort.

Jon Pride, Hochzeitsfotograf
Jon Pride
Hochzeitsfotograf, Lüneburger Heide & Hamburg

Fotografiert seit 2009 Hochzeiten, über 373 begleitet in 12 Ländern auf 4 Kontinenten. 8 Fearless Awards und 6 Brautfoto Awards.

Stand: 30. August 2026